Auswärtiges Amt

Klima-Konflikt-Vulnerabilitätsindex

Ein interaktiver Index, der die Überschneidung von Klima- und Konfliktrisiken sichtbar macht — entwickelt für politische Entscheidungsträger und Forschende beim Auswärtigen Amt und seinen Partnerinstitutionen.

Klima-Konflikt-Vulnerabilitätsindex
Das beste Frühwarnsystem für unsere eigene Sicherheit.
— Annalena Baerbock, ehemalige Bundesaußenministerin, Berliner Klimasicherheitskonferenz 2024

Herausforderung

Politische Entscheidungsträger beim Auswärtigen Amt und seinen Partnerinstitutionen mussten einschätzen können, wo sich Klima- und Konfliktrisiken weltweit überschneiden — doch kein einziges, regelmäßig aktualisiertes, wissenschaftlich fundiertes Tool machte diese Überschneidung an einem Ort sichtbar. Bestehende Werkzeuge deckten Klima oder Konflikt ab, selten beides, und boten oft nicht die Transparenz, die für politisch relevante Entscheidungen erforderlich ist. Der bisherige Arbeitsablauf war fragmentiert: Ein internes Team erstellte auf Anfrage individuelle Karten — ohne kontinuierliche, vergleichende Datenbasis. Die eigentliche Designherausforderung bestand darin, wissenschaftliche Genauigkeit und Nutzbarkeit in Einklang zu bringen: Ein Index mit 42 Indikatoren und drei Säulen musste für nicht-technische Zielgruppen navigierbar werden, ohne die Transparenz zu opfern, die die Daten erst glaubwürdig macht.

Lösung

Das Projekt hat zwei eigenständige Ergebnisse. Das öffentliche Tool auf climate-conflict.org gibt Forschenden, Journalistinnen und Journalisten sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen eine globale Risikoübersichtskarte an die Hand, mit der sie erkunden können, wo sich Klimagefahren, Konfliktexposition und Vulnerabilität überschneiden — bis auf ein 0,5°-Raster. Über die Karte hinaus ist die öffentliche Website auf Transparenz ausgelegt: Ein vollständiger Methodikbereich erklärt die Indexarchitektur und die Aggregationslogik, ein Indikator-Katalog dokumentiert alle 42 Indikatoren mit Quellenangabe und Datenaktualität, eine Zeitabdeckungsübersicht zeigt genau, welche Zeiträume jeder Indikator abdeckt, und die zugrunde liegenden Daten sind frei herunterladbar. Ergänzend wurde ein erweitertes internes Tool für das Auswärtige Amt entwickelt, das eine detaillierte Länderanalyse für Entscheidungsprozesse ermöglicht. Anstatt für beide Tools Einzelvisualisierungen zu liefern, wurde eine Data Design Language entwickelt: ein auf Design-Tokens basierendes System, das dem PREVIEW-Team ein wiederverwendbares Repertoire an Komponenten, Leitlinien und Chart-Vorlagen bietet — unabhängig einsetzbar über verschiedene Tools und Kontexte hinweg.

Mein Beitrag

Von Moritz Stefaner als UX/UI-Lead eingebunden, war ich verantwortlich für die Informationsarchitektur und das Screen-Design des internen CCVI-Tools — sowohl für die globale Übersicht als auch für die Länderprofilansichten. Ich entwarf die einzelnen Datenvisualisierungs-Widgets und Charts: Trend-Sparklines, KPI-Balken, die Datenexplorer-Kombination aus Karte und Zeitreihe sowie die Länderrankingtabelle — jeweils iteriert auf Basis von Nutzerforschung mit Mitarbeitenden des Auswärtigen Amts und der GIZ. Ich integrierte Moritz' Datenvisualisierungen in das übergeordnete UI-System, trug zur öffentlichen Website (v2) und zur Data Design Language bei und half beim Aufbau von Observable-HQ-Notebooks, um dem Team des Auswärtigen Amts beizubringen, eigene Visualisierungen auf Basis der gemeinsam entwickelten Design Language zu erstellen. Die kreative Leitung lag durchgehend bei Moritz; Flavio Gortana trug Kartenkomponenten und Entwicklung bei.
  • Kunde

    Auswärtiges Amt

  • Meine Role
    UI/UX-Design
    Datenvisualisierung
    Wissenschaftskommunikation
  • Zeitraum

    2023 – 2025

  • Zusammenarbeit

    Moritz Stefaner (Truth & Beauty, Design Lead und Entwicklung), Flavio Gortana (Design und Entwicklung), Jan Johannes (Entwicklung)

  • Auszeichnungen

    Information is Beautiful Awards 2024 – Shortlisted

Resultate

Data Design Language
Data Design Language
Die Data Design Language begann als Sammlung von PDF-Leitlinien — doch dabei blieb es nicht. Es folgten Style-Tokens für Figma, JavaScript und CSS-Themes, die dem Team des Auswärtigen Amts eine konsistente visuelle Grundlage geben, die sie eigenständig einsetzen können.
Dokumentations-Website der Data Design Language
Dokumentations-Website der Data Design Language
Um das Team des Auswärtigen Amts zu unterstützen, wurde eine interne Dokumentations-Website aufgebaut, auf der Mitarbeitende die benötigten Style-Werte und UI-Komponenten direkt abrufen können — und so die Hürde für konsistente, markenkonforme Datenkommunikation gesenkt wird.
CCVI-Tool — Übersicht
CCVI-Tool — Übersicht
Das interne Tool gibt Mitarbeitenden des Auswärtigen Amts eine globale Übersicht über das Klima-Konflikt-Risiko nach Ländern. Neben dem Gesamtrisikoscore können einzelne Metriken ausgewählt werden, um eine erste Einschätzung anhand der vollständigen Indexhierarchie vorzunehmen.
CCVI-Tool — Übersicht — Annotiert
CCVI-Tool — Übersicht — Annotiert
Die globale Übersichtsansicht annotiert — fünf Kernfunktionen, die einer Analystin oder einem Analysten im Auswärtigen Amt auf einen Blick zur Verfügung stehen: die geschichtete Weltkarte, eine Kurzliste der am stärksten betroffenen Länder, Navigation durch die vollständige Metrikhierarchie, kontextuelle Ebeneninformationen und eine Exportfunktion. Alles, was Entscheidungsträger brauchen — ohne ein zweites Tool öffnen zu müssen.
CCVI-Tool — Länderansicht
CCVI-Tool — Länderansicht
Die Länderdetailansicht zeigt Schlüsselindikatoren für ein ausgewähltes Land sowie Trend-Sparklines, die hervorheben, welche Indikatoren die stärkste relative Veränderung aufweisen — und hilft den Mitarbeitenden, schnell eine erste Einschätzung vorzunehmen und zu erkennen, welche Bereiche vertiefte Analyse erfordern.
CCVI-Tool — Länderansicht — Annotiert
CCVI-Tool — Länderansicht — Annotiert
Die Länderdetailansicht annotiert — von den nebeneinandergestellten Klima- und Konfliktrisikokarten oben, über domänenspezifische Widgets mit den Konfliktereignissen der vergangenen 90 Tage, bis hin zu Schlüsselindikator-Trends und einer länderübergreifenden Rankingtabelle. Konzipiert für eine schnelle Ländereinschätzung in einem einzigen Scroll.
CCVI-Tool — Widgets
CCVI-Tool — Widgets
Die Widgets im Einsatz für Syrien: Überblick über die Konfliktaktivität mit Opferzahlen und dem Anteil der von gewaltsamen Konflikten betroffenen Bevölkerung, Akteurs- und Ereignisdetailkarten, Trendverläufe sowie Klimagefahrenexposition nach betroffener Bevölkerung. Jedes Widget liefert schnell eine spezifische Art von Evidenz — nicht für Tiefenanalyse, sondern für rasche Länder-Briefings.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock präsentiert den CCVI
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock präsentiert den CCVI
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock präsentiert den CCVI auf der Berliner Klimasicherheitskonferenz 2024 — der öffentliche Launch-Moment des Tools, mit dem es einem internationalen Publikum aus Politik und Forschung vorgestellt wurde.
Karte
Karte
Die öffentliche Website bietet eine gitterbasierte Risikoscorekarte für die gesamte Welt — und macht den Index für Forschende, Journalistinnen und Journalisten sowie zivilgesellschaftliche Organisationen zugänglich, die über das unmittelbare Netzwerk des Auswärtigen Amts hinausgehen.
Methodik
Methodik
Die öffentliche Methodikseite neben dem Indexarchitekturdiagramm — das zeigt, wie die drei Säulen in Dimensionen und weiter in einzelne Indikatoren aufgefächert werden. Die Visualisierung macht die Aggregationslogik nachvollziehbar: Jede Nutzerin und jeder Nutzer kann nachvollziehen, wie ein Länderscore zustande kommt — was zählt, wenn die Daten außenpolitische Entscheidungen informieren.
Indikator-Katalog
Indikator-Katalog
42 Indikatoren — jeweils mit einer allgemeinverständlichen Beschreibung, der Roheinheit, der Aktualität der Daten und der Quellenangabe — aus offenen Datenquellen wie NASA, der Weltbank und ACLED. Nach Säule filterbar, nach Name durchsuchbar. Transparenz, die in die Benutzeroberfläche eingebaut ist — nicht nur in die Dokumentation.

Prozess

  • Konfliktdetails visualisieren

    In der frühen Konzeptphase haben wir erkundet, wie das interne Tool Analytikerinnen und Analytikern ermöglichen könnte, auf Länderebene tief in Konfliktdetails einzutauchen. Das Ergebnis war fast ein Tool im Tool — ein vollständig navigierbarer Konflikt-Explorer mit Todesopfern, Ereignissen und Akteuren in Karten- und Zeitreihenansichten. Die Exploration war wertvoll, zeigte uns aber früh: Dieser Detailgrad drohte das Tool von seinem eigentlichen Zweck zu entfernen — schneller, vergleichender Überblick über viele Länder, nicht forensische Tiefenanalyse eines einzelnen.

  • Idee: Data Lenses

    Moritz entwickelte das Konzept der Data Lenses: fokussierte, in sich geschlossene Chart- oder Kartenansichten, die jeweils eine einzige klare Erkenntnis, Annotation oder Datenperspektive transportieren. Manche sollten statisch sein, andere lokal interaktiv — mit der Möglichkeit, Indikatoren oder Länder auszuwählen. Entscheidend war, dass sie als wiederverwendbare Templates konzipiert wurden, die sich zu größeren Geschichten kombinieren oder als Inline-Grafiken in längere Texte einbetten lassen. Das Konzept eröffnete einen Weg, die Komplexität des Index navigierbar zu machen, ohne die Lesenden zu überfordern.

  • Design der Data Lenses

    Flavio überführte Moritz' Konzept in Figma und entwickelte eine Reihe visuell starker, ausdrucksstarker Lens-Designs für alle drei Säulen — Klima, Konflikt und Vulnerabilität. Die Designs funktionierten über verschiedene Chart-Typen und Datennarrative hinweg und gaben uns eine klare visuelle Richtung: Jede Lens steht für sich, fügt sich aber nahtlos in ein kohärentes Gesamtsystem ein.

  • Entwicklung: Konflikt-Widgets

    Ich entwickelte die Lenses zu einem integrierten Widget-System für das interne Tool — mit Widget-Gruppen, die verwandte Themen innerhalb jeder Säule bündeln. Im Bereich Konflikt etwa bedeutete das separate Gruppen für Aktivitäten, Akteure und Ereignisse. Innerhalb jeder Gruppe konnten Widgets gestapelt und durch Auswahl eines Elements aus der obersten Karte weiter aufgefächert werden. Das entstandene System war flexibel genug, um auch außerhalb des internen Tools eingesetzt zu werden — und spielte eine zentrale Rolle bei der Vereinfachung der Länderansicht, indem es einen zuvor überfordernden Detailscreen durch eine strukturierte, navigierbare Abfolge fokussierter Einblicke ersetzte.

    Auswirkungen

    Von einer Außenministerin lanciert. Genutzt von denen, die es am meisten brauchen.

    Der CCVI wurde von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock auf der Berliner Klimasicherheitskonferenz 2024 öffentlich vorgestellt — sie bezeichnete ihn als das beste Frühwarnsystem für unsere eigene Sicherheit. Der begleitende Forschungsartikel (SocArXiv, 2026) bestätigte einen Kernbefund, den der Index sichtbar machen soll: Hohes Konfliktrisiko tritt fast nie dort auf, wo das Klimarisiko gering ist — während hohes Klimarisiko das gesamte Spektrum des Konfliktrisikos überspannt. Der Index zeigt zudem, warum Gesamtscores allein nicht ausreichen: Zwei Rasterzellen mit nahezu identischen kombinierten Risikowerten können vollständig entgegengesetzte Treiber aufweisen und damit unterschiedliche politische Antworten erfordern. Evaluierungsworkshops mit Fachleuten in Kenia, Somalia und Äthiopien bestätigten, dass der Index die lokalen Gegebenheiten vor Ort widerspiegelt. Die Open-Source-Daten und die Pipeline wurden 2025 veröffentlicht — mit historischer Abdeckung bis 2015. Das Projekt wurde für die Information is Beautiful Awards shortlisted und auf der re:publica präsentiert. Erstmals verfügen das Auswärtige Amt und seine Partner über ein einziges, quartalsweise aktualisiertes Tool, das die Überschneidung von Klima- und Konfliktrisiken global sichtbar und navigierbar macht — und einen fragmentierten, auf Anfrage basierenden Arbeitsablauf durch eine kontinuierliche Evidenzbasis für außenpolitische Entscheidungen ersetzt.

    Der Index in Zahlen

    42
    Indikatoren in 3 Säulen
    Global
    Globale Abdeckung bei 0,5°-Rasterauflösung
    2015
    Historische Abdeckung ab

    Erkenntnisse

    Fähigkeiten aufbauen, nicht nur Ergebnisse liefern

    Das Nachhaltigste, was wir gebaut haben, war nicht das Tool — sondern die Data Design Language und die Observable-Notebooks, die dem PREVIEW-Team ermöglichen, die eigene Datenkommunikation selbst zu gestalten. Im Rückblick wäre eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Designteam und den Forschenden wertvoll gewesen — nicht weil Zusammenarbeit fehlte, sondern weil beide Teams in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und mit unterschiedlichen Methoden arbeiteten. Mehr Überschneidung früher im Prozess hätte Fragen zu Indikatorbeziehungen und Indexstruktur aufwerfen können, die gemeinsam zu erkunden lohnenswert gewesen wäre. Dieses Projekt hat auch eine Überzeugung geschärft, die meine aktuelle Arbeit prägt: Einen 42-Indikator-Index mit drei Säulen für nicht-technische Zielgruppen lesbar zu machen, ist genau die Explainability-Herausforderung, vor der KI-Systeme heute stehen. Die Designmethoden lassen sich direkt übertragen.

    Porträt von Christian Laesser

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